HDTV 05/2017

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Cover HDTV 5/2017

Die Unsicherheit wächst

Knapp zwei Jahre nach Einführung des ersten HDR-Bildstandards schreitet die Entwicklung erneut voran: 20th Century Fox, Panasonic und Samsung verkündeten auf der IFA die Markteinführung von HDR10+. Auch Technicolor suchte händeringend nach Partnern, um ein weiteres HDR-Format zu etablieren, womit wir durch die bereits verfügbaren Verfahren HDR10, HLG und Dolby Vision bereits bei fünf unterschiedlichen Interpretationen wären, wie man HDR-Inhalte in die Wohnzimmer bringen kann – ein sechstes HDR-Format von Philips taucht bislang nur auf dem Papier auf. Konsumenten wie Fachhändler dürften angesichts dieser Entwicklungen die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Denn selbst wenn man unterschiedliche Vertriebswege wie lineares Fernsehen, Video-on-Demand-Streaming und UHD-Blu-ray-Discs mit einbezieht, ist es schwer vorstellbar, dass der Unterhaltungselektronikmarkt mehr als drei HDR-Formate verkraftet. In Interviews wird die Fülle an unterschiedlichen Lösungen oftmals als gewinnbringend für die Verbraucher vermarktet, schließlich belebe Konkurrenz bekanntlich das Geschäft. Doch wie wahrscheinlich ist es, dass auf einer UHD Blu-ray, für die meist stolze 35 Euro pro Film fällig werden, tatsächlich mehrere HDR-Premium-Formate zu finden sein werden? Vielmehr ist davon auszugehen, dass abhängig vom Filmstudio entweder Dolby Vision oder HDR10+ zum Zug kommt, was durch den allgemein verständlichen HDR10-Basislayer zwar etwas entschärft wird, aber dennoch an den Wettstreit zwischen der HD-DVD und Blu-ray samt unterschiedlicher Videocodecs erinnert. Dabei wollen TV-Hersteller und Filmstudios alle das Gleiche: Filme sollen wie von den Machern beabsichtigt in bester Qualität bereitgestellt und präsentiert werden. Nur über das „Wie“ wird weiterhin gestritten und es zeichnet sich nicht ab, dass bei der HDR-Entwicklung in den nächsten Monaten Ruhe einkehren wird. Sicher ist im Moment nur, dass das HDR10-Format den kleinsten gemeinsamen Nenner darstellt, und während das Duell HDR10+ gegen Dolby Vision auf einen ungewissen Ausgang zusteuert, könnten all jene TV-Hersteller vom Wettstreit profitieren, die die HDR10-Nachteile durch immer bessere Nachbearbeitungen geschickt kompensieren. Nicht zuletzt durch die HDR10-Etablierung im Gaming-Sektor durch PS4 und Xbox One stellt sich aktuell die Frage, ob das Duell zwischen HDR10+ und Dolby Vision nicht vom eigentlichen Kernproblem ablenkt: HDR10 wurde als Premiumqualität vermarktet und wird spätestens 2018 zum Einstiegs-HDR-Format degradiert. Ganz gleich, wie groß die Unterschiede zu HDR10+ oder Dolby Vision in der Praxis tatsächlich ausfallen, es dürfte sich ein Gefühl von Wertverlust bei allen HDR10-Käufern einstellen. Bei immensen Hardwarekosten und satten Aufpreisen bei den UHD-Datenträgern ist das aktuelle Chaos rund um die HDR-Standardisierung keine gute Werbung für eine Branche, die eigentlich bestmöglich unterhalten will.

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