Papier vs. Elektro – Wir feiern 300 Ausgaben ZeitPunkt

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Florian Pötzsch, Chefredakteur des ZeitPunkt

Selbstverständlich braucht man keine Zeitschrift mit „allen Terminen“ des Tages mehr, wenn man am Abend in der Kneipe sitzt. Ein Klick ins Mobiltelefon genügt und schon verraten uns Facebook und Co., was aktuell anliegt. Das war auch schon 2011 abzusehen, als wir vom Auerbach Verlag uns entschlossen, den ZeitPunkt zu übernehmen und erfolgreich fortzuführen. 

Bis dahin hatte Christian Nové das Magazin schon satte 20 Jahre aufgebaut und durch den Leipziger Kneipendschungel geführt. Als damals noch recht junger Verlag passte der ZeitPunkt ideal zu uns, denn unsere vielen Heimkino-Zeitschriften gab es zwar deutschland- und europaweit sozusagen an jedem Kiosk aber in Leipzig kannte uns kein Mensch. Und außerdem wollten wir der Stadt weiter ihren ZeitPunkt erhalten, der sonst hätte eingestellt werden müssen. Vom ersten Kontakt mit Christian Nové bis zum ersten ZeitPunkt aus dem Auerbach Verlag vergingen nicht einmal acht Wochen. Fast nahtlos übernahm unser Team die Produktion mit allen Hürden und Tücken. 

Ab 2015 haben wir das Format von A4 auf das aktuelle A6 umgestellt, denn der Fokus auf „mehr“ Berichterstattung und „weniger“ Termine ließ den ZeitPunkt noch mehr zu einem Mitnahmeheft werden. Flugs in die Hostentasche gesteckt, wird er gern am nächsten Tag am Küchentisch gelesen – oder in Uni, Schule und auf Arbeit. 

Warum aber nun weiterhin ein „echtes“ Heft mit Druckkosten und Vertrieb, statt rein auf den Internetauftritt zu setzen, wo man hier doch unendlich viel mehr Leute erreicht? Hier geht’s um Erinnerung. Wisst ihr noch, was vor fünf Jahren so in der Stadt los war? Googelt mal oder sucht bei Facebook und Co. Es wird immer gesagt, „das Internet vergisst nichts“. Stimmt aber gar nicht! Die Webseiten kommen und gehen, die Timelines werden von hinten gekürzt und gesäubert. Was bleibt: Das Papier. Blättert durch ein altes Heft und ihr werdet Dinge entdecken, die euch damals vielleicht gar nicht interessiert haben und die ihr nie im Internet suchen (und demnach finden) würdet.

Eine echte Zeitreise in die Vergangenheit gibt es nicht mit vorgefertigten weichgespülten Rückblicken, sondern mit dem schonungslosen unzensierten Blick in ein solch ein Magazin mit Geschichte. Ich freue mich auf die nächsten 300 Ausgaben! Florian Pötzsch